Was digitale Zertifikate sind und warum sie kritische Infrastruktur sind
Digitale Zertifikate sind die Ausweise der digitalen Welt. Sie authentifizieren Server und Dienste (TLS/SSL), signieren Code und Dokumente, schützen E-Mail-Kommunikation (S/MIME), sichern VPN-Verbindungen und identifizieren IoT-Geräte im Netzwerk. Ohne gültige Zertifikate können kritische Systeme nicht kommunizieren, Nutzer nicht authentifiziert werden, Transaktionen nicht stattfinden. Das Besondere: Abgelaufene Zertifikate kündigen sich nicht aktiv an. Es gibt keinen Alarm, keine Warnung im Dashboard, keine automatische Eskalation, außer in Organisationen, die aktiv dafür gesorgt haben. In allen anderen: stiller Ausfall. Und dieser Ausfall trifft nicht nur den Betrieb, sondern löst, je nach Kontext, auch Haftungsfragen aus.
International tätige Industrieunternehmen verwalten typischerweise mehrere hundert bis tausende Zertifikate über verschiedene Plattformen, Organisationseinheiten und Standorte. In der Mehrheit der Fälle geschieht das überwiegend manuell, ohne zentrale Übersicht, mit unklaren Verantwortlichkeiten und ohne systematisches Monitoring.
Der CA/Browser-Forum-Beschluss: Die Zeitbombe, die bereits läuft
Im April 2025 fasste das CA/Browser Forum, der Zusammenschluss von Zertifizierungsstellen und Browser-Anbietern, dem Apple, Google, Mozilla, Microsoft und DigiCert angehören, einen Beschluss, der die IT-Sicherheitslandschaft fundamental verändert: Die maximale Gültigkeitsdauer öffentlich vertrauenswürdiger TLS/SSL-Zertifikate wird bis März 2029 schrittweise von 398 auf 47 Tage reduziert. Gleichzeitig wird die Wiederverwendbarkeit von Domain-Validierungen auf zehn Tage begrenzt.